Wir geben nicht auf - Gespräche mit Klinikleitung und Verantwortlichen laufen

FREIE WÄHLER Schwalm-Eder, Fraktion im Kreistag - v.l. Marcel Pritsch, Rosalie Bock, Engin Eroglu, Stephan Wassmuth

FREIE WÄHLER kämpfen für den Erhalt der Abteilungen Gynäkologie und Geburtshilfe im Asklepios Klinikum in Schwalmstadt

Die FREIE WÄHLER Schwalm-Eder setzen sich mit Nachdruck für den Erhalt der Abteilungen Gynäkologie und Geburtshilfe am Asklepios Klinikum Schwalmstadt ein. Nachdem der Wegfall der Abteilungen zum Januar 2027 angekündigt wurde, führen die FREIE WÄHLER Gespräche mit der Klinikleitung und weiteren Verantwortlichen, um die Möglichkeiten für einen dauerhaften Erhalt der medizinischen Versorgung in der Region auszuloten.

Fraktionsvorsitzender der FREIE WÄHLER Schwalm-Eder und Europaabgeordneter Engin Eroglu hat hierzu den direkten Austausch mit der Klinikleitung gesucht. Ein persönliches Gespräch mit Frau Dr. Federwisch ist zeitnah in der Klinik in Ziegenhain vorgesehen.

„Wir wollen nicht einfach hinnehmen, dass die Abteilungen Gynäkologie und Geburtshilfe in Schwalmstadt vor dem Aus stehen. Wir werden alles versuchen, um diese für die Menschen in der Region Schwalmstadt und im gesamten Schwalm-Eder-Kreis unverzichtbare Versorgung zu erhalten“, erklärt Engin Eroglu.

Besonders unverständlich wäre die Schließung der Abteilungen für die FREIE WÄHLER auch mit Blick auf die weiterhin positive zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Schwalmstadts.

Die Entwicklung neuer Baugebiete (inkl. neuer Kindergärten) für junge Familien in der Stadt ist beschlossen und schafft damit zusätzlichen Wohnraum, zudem werden ab 2027 ca. 300 junge Frauen und Männer ihr Studium an der Evangelischen Hochschule Hessen in Hephata aufnehmen. Damit zeichnet sich weiteres Bevölkerungszuwachstum in der Region ab, sodass sich auch die bei der Ankündigung zur Schließung genannten Kennzahlen im Zeitablauf relativieren werden – insbesondere mit jungen Menschen und Familien, die sich in Schwalmstadt neu ansiedeln werden.

„Schwalmstadt wächst und schafft neuen Wohnraum. Wir wollen junge Menschen und Familien für unsere Stadt gewinnen und ihnen eine gute Perspektive bieten. Dazu gehört selbstverständlich auch eine leistungsfähige medizinische Versorgung vor Ort. Es wäre völlig widersinnig, wenn auf der einen Seite neue Baugebiete entstehen und Familien nach Schwalmstadt kommen sollen, während auf der anderen Seite gleichzeitig die Geburtshilfe und die gynäkologische Versorgung abgebaut werden“, so Eroglu.

Die durch private Initiative ins Leben gerufene Petition zum Erhalt der wohnortnahen Geburtshilfe am Klinikum Schwalmstadt hat mittlerweile über 8.000 (!) Unterzeichner und dem Aufruf zur Kundgebung vor dem Klinikum am 24. Juli folgten über 300 Demonstranten. Dies zeigt deutlich wie groß die öffentliche Anteilnahme und das überwältigende Interesse am Erhalt der Abteilungen ist und es steht zugleich für das verbreitete Unverständnis der Menschen in der Region über die unternehmerische Entscheidung der Klinikleitung. Die Petition appelliert an Land und Kreis eine „finanzielle Sonderlösung (wie den Sicherstellungszuschlag)“ zu prüfen. Wir unterstützen diese Ziele wie dargelegt ausdrücklich und werden die Gespräche hierzu aufnehmen. Die Übergabe der Petition an die Hessische Landesregierung steht bevor und dies muss ein entscheidender Impuls zum gemeinsamen Handeln durch Land, Kreis und Klinikum werden, um die Schließung abzuwenden.

Auf der Kundgebung am 24. Juli hatte sich Dr. Mohamed Koheil. Leitender Oberarzt der betroffenen Abteilung am Asklepios Klinikum Schwalmstadt, bereits zu Wort gemeldet: Er lässt sich nun gemeinsam mit seinem ehemaligen Chefarzt Dr. Heinz-Josef Kaum wie folgt zu den drastischen Konsequenzen einer Schließung der Abteilungen zitieren:

„Die Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie in Schwalmstadt würde die medizinische Versorgung der Frauen in unserer Region deutlich verschlechtern. Wir versorgen nicht nur Frauen zur Geburt, sondern auch Schwangere, die mit akuten Beschwerden oder großen Sorgen notfallmäßig zu uns kommen – tagsüber, nachts und am Wochenende. Ebenso behandeln wir gynäkologische Notfälle rund um die Uhr.

Gerade in der Geburtshilfe können innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohliche Situationen entstehen, beispielsweise bei einer vorzeitigen Plazentalösung. Dann zählt jede Minute für Mutter und Kind. Auch bei gynäkologischen Notfällen, etwa einer Eileiterschwangerschaft mit innerer Blutung, sind lange Transportwege ein zusätzliches Risiko. Eine Patientin mit einer starken inneren Blutung infolge einer Eileiterschwangerschaft oder einer Blutung durch eine massive vorzeitige Plazentalösung sollte nicht erst über weite Strecken in die nächste Klinik transportiert werden müssen. Diese Patientinnen benötigen unter Umständen eine sofortige Notfalloperation.

Hinzu kommt die Belastung des Rettungsdienstes: Wenn Patientinnen künftig über deutlich längere Strecken transportiert werden müssen, sind Rettungsmittel entsprechend länger gebunden und fehlen in dieser Zeit für andere Notfälle in der Region.

Eine Frauenklinik ist deshalb weit mehr als ein Ort, an dem Kinder geboren werden. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Grund- und Notfallversorgung von Frauen und Schwangeren. Auf diese wohnortnahe Versorgung kann unsere Region aus medizinischer Sicht nicht verzichten.

Die Kommunen und die Landespolitik tragen die Verantwortung dafür, die medizinische Versorgung in der Region dauerhaft sicherzustellen. Die Petition zum Erhalt der Frauenklinik am Standort Schwalmstadt-Ziegenhain hat bereits mehr als 8.040 Unterschriften erreicht. Wenn das kein eindeutiges Votum der Bürgerinnen und Bürger ist – was dann?“

Nach Auffassung der FREIE WÄHLER muss jetzt schnell und ohne parteipolitische Scheuklappen gehandelt werden, auch weil es - wie von Dr. Koheil dargelegt – in seiner Abteilung oft um Leib und Leben der kleinen und großen Patienten geht und schnell gehandelt werden muss. Der Erhalt der Abteilung ist lebenswichtig und darf nicht wegen insbesondere an einer kurzfristigen Finanzierungslücke scheitern. Jetzt braucht es eine, gemeinsame Anstrengung, um nach einer tragfähigen Lösung für die kommenden Jahre gesucht zu werden. Dabei dürften weder der Klinikbetreiber noch der Kreis, die Kommunen oder das Land Hessen aus der Verantwortung entlassen werden.

Zugleich soll damit auch ein klares Signal an die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesendet werden, dass es eine gute berufliche Zukunft für sie an ihrem bisherigen Arbeitsplatz gibt und dass ihre wertvolle Arbeit auch weiterhin in der Schwalm gebraucht wird. Dieses Signal muss jetzt auch intern durch die Klinikleitung gesetzt werden, um der personellen Erosion in den Abteilungen vorzubeugen.

„Wenn tatsächlich eine Finanzierungslücke von entscheidender Bedeutung ist, müssen wir darüber sprechen, wie wir diese gemeinsam schließen können. Wir wollen mit dem Schwalm-Eder-Kreis, den Kommunen und der Hessischen Landesregierung an einem Tisch Lösungen entwickeln. Unser Ziel ist klar: Die Gynäkologie und Geburtshilfe müssen in Schwalmstadt erhalten bleiben“, erklärt der FREIE WÄHLER-Fraktionsvorsitzende.

Die FREIE WÄHLER wollen zunächst aus erster Hand erfahren, welche konkreten finanziellen und strukturellen Voraussetzungen für einen Weiterbetrieb erforderlich sind. Auf dieser Grundlage sollen anschließend Gespräche mit den politischen Verantwortlichen auf Kreis- und Landesebene geführt werden.

„Wir brauchen jetzt keine Schuldzuweisungen, sondern konkrete Lösungen. Wenn es eine realistische Möglichkeit gibt, die Gynäkologie und Geburtshilfe zu erhalten, dann müssen wir sie gemeinsam nutzen. Wir sind bereit, dafür auf Kreis-, Landes- und auch auf europäischer Ebene alle Möglichkeiten auszuloten“, betont der Europaabgeordnete.

Die FREIE WÄHLER Schwalm-Eder sehen den Erhalt der Gynäkologie und Geburtshilfe nicht nur als Frage der Gesundheitsversorgung, sondern als wesentlichen Bestandteil der Zukunftsfähigkeit der gesamten Region.

„Eine wachsende Stadt und eine wachsende Region brauchen auch eine verlässliche medizinische Infrastruktur. Wer junge Familien nach Schwalmstadt holen und hier langfristig halten möchte, muss ihnen auch die Sicherheit geben, dass medizinische Versorgung und Geburtshilfe erreichbar und vor Ort vorhanden sind. Wir werden deshalb alles daransetzen, dass in Schwalmstadt auch künftig Kinder sicher zur Welt kommen können“, erklärt Engin Eroglu abschließend.

Die FREIE WÄHLER Schwalm-Eder kündigen an, die Gespräche mit der Klinikleitung und weiteren Verantwortlichen fortzusetzen und über konkrete Lösungsansätze und die weiteren Entwicklungen zu informieren.